Gastlichkeit - Erfolgsgeschichte der Welt
Jede/jeder hat Freude, als wertgeschätzt zu gelten und damit eine gewisse «Macht» in einer kleineren oder grösseren Gemeinschaft innezuhaben. Dies brauchen wir, um einen «erfolgversprechenden» Weg zu gestalten und entschlossen Ziele zu erreichen.
Nur fragt sich hier: Was ist das Ziel eigener und gemeinsamer Lebensgestaltung? Heisst Macht haben, immer als bester, erster dazustehen, indem andere klein gemacht und entmachtet werden?
Aber: Wie einsam kann man selber werden, wenn andere nur als Steigbügel benutzt werden, damit man selber «erfolgreich» zuoberst steht. Automatisch stellt sich in der Folge die Angst ein, von anderen wieder entmachtet zu werden.
Wie wäre es, wenn wir je eigene Macht in einem Pool im Blick auf eine gemeinsame Erfolgsgeschichte der Welt «zusammenlegen» würden?
Um eine Erfolgsgeschichte geht es in der diesjährigen Brot für alle-Aktion zum Thema: «Recht auf Nahrung – Mehr Gleichberechtigung heisst weniger Hunger»:
Über eine Milliarde Menschen sind weltweit von Hunger betroffen. 70 Prozent der Hungernden sind Frauen, obwohl gerade sie in Ländern des Südens die Haupterzeugerinnen und –verarbeiterinnen von Nahrung sind. Wenn Frauen und Männer als Abbild Gottes (Genesis 1, 27) geschaffen sind, dann widersprechen die aktuellen Verhältnisse der Idee der Schöpfung. Denn als gleichwertige Wesen sind Frauen und Männer dazu aufgerufen, in ihren Beziehungen Gleichheit und Gerechtigkeit herzustellen. Frauen und Kinder werden jedoch oft als Steigbügel dazu benutzt, dass Menschen in Schwellen- und vor allem Industrieländern zu materiellem Reichtum gelangen, sie selber aber oft in menschenunwürdigen Verhältnissen dahinvegetieren.
Eine Erfolgsgeschichte der Welt ist demgegenüber, wenn wir gemeinsam zu einer gastlicheren Welt beitragen. Dazu gehört, dass Frauen und Kindern auf der ganzen Welt der Weg zu Bildung geebnet wird. Männer und Frauen können so besser miteinander am Aufbau eines menschenwürdigen Lebens beteiligt werden. Gemeinsame Beteiligung heisst hier, dass wir Leben als Geschenk Gottes, unseres Schöpfers, betrachten und miteinander teilen (z. B. die Nahrung). Wir sind nicht die Eigentümer der Erde, sondern nicht mehr, aber auch nicht weniger als Gast auf Erden.
Es wäre doch schön, wenn wir der Kindergeneration eine gastlichere Welt «weitergeben» könnten. So steht es in der Agenda 2012, 11. März, zur Brot für alle-Aktion:
Wie gut zu hören als Mann, auch so könnt’ es sein, mein Leben:
Das Kind als Mitte des Alltags und nicht als Rangstreit.
Die Gastlichkeit als Massstab meines Erfolgs und nicht der Verdienst.
Wie gut zu hören, als Mann.
Wir sind aufgerufen, an der diesjährigen Brot für alle-Aktion mitzumachen.
Sie sind herzlich zum Eröffnungsgottesdienst am 19. Februar um 10 Uhr in der Kirche Aegerten eingeladen. Dort wird – wie letztes Jahr – Frau Dorothea Loosli-Amstutz (Brot für alle, Bern) die Feier mitgestalten.
Ich wünsche uns ein hoffnungsvolles, freudvolles Leben im Teilen der wertvollen Güter der Erde und unserer Machtansprüche – als gemeinsame Ermächtigung zur Gestaltung einer gastlichen Welt.
UELI VON KÄNEL, PFARRER, WORBEN