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Die göttliche Ordnung

Bild: Dieter Schütz / pixelio.de



Im Spielfilm «Die göttliche Ordnung» von Petra Volpe bekämpft eine Hausfrau den Schöpfungsplan. Ende der sechziger Jahre müssen die Schweizerinnen immer noch für die Einführung des nationalen Stimm- und Wahlrechts kämpfen, das bekanntlich erst 1971 eingeführt wurde. Nicht nur von Männern, auch von Frauen wurde behauptet, ein Stimm- und Wahlrecht für sie wäre eine «Versündigung gegen die Natur» – oder gegen die «göttliche Ordnung».

Im Film verbietet der Ehemann seiner Frau die Annahme einer Berufsstelle. Er will nicht, dass die Leute denken, er verdiene zu wenig, um seine Familie zu ernähren. Eine andere Frau konnte nicht eingreifen, als ihr Mann die gemeinsam betriebene Gastwirtschaft ruinierte. Vor der Einführung des neuen Eherechts 1988 galt der Mann als «Haupt der Gemeinschaft». Er konnte seiner Ehefrau die Berufstätigkeit erlauben oder verbieten, sie konnte ohne seine Einwilligung keinen Vertrag abschliessen. Er bestimmte den Wohnsitz und musste seiner Frau keine Auskunft über seine finanziellen Verhältnisse geben. Erst mit der Einführung des neuen Eherechts 1988 wurde die Ehe eine echte Partnerschaft gleichberechtigter und gleichverpflichteter mündiger Menschen. 

Die folgenden Bibelzitate legitimieren einerseits die Herrschaft des Mannes, haben aber auch Ansätze zur Gleichberechtigung (siehe Galater 5, 13 oder 1. Korinther 7, 3-5):


Gen. 3,16
Und zum Weibe sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst; unter Mühen sollst du Kinder gebären. Und dein Verlangen soll nach deinem Manne sein, aber er soll dein Herr sein.


Paulus, Epheser 5,22-24
Ihr Frauen, ordnet euch euren Männern unter wie dem Herrn. Denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Gemeinde ist, die er als seinen Leib erlöst hat. Aber wie nun die Gemeinde sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen ihren Männern unterordnen in allen Dingen.


Paulus 1. Korinther 7,3-5
Der Mann leiste der Frau, was er ihr schuldig ist, desgleichen die Frau dem Mann. Die Frau verfügt nicht über ihren Leib, sondern der Mann. Ebenso verfügt der Mann nicht über seinen Leib, sondern die Frau. Entziehe sich nicht eins dem andern, es sei denn eine Zeitlang, wenn beide es wollen, damit ihr zum Beten Ruhe habt.


Paulus 1. Korinther 11,9
Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um des Mannes willen.


Galater 5,13
Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid zur Freiheit berufen. Allein seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern.


1. Timotheus 2,12-14
Einer Frau gestatte ich nicht, dass sie lehre, auch nicht, dass sie über den Mann Herr sei, sondern sie sei still. Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung verführen lassen.


Dieser Satz wurde in der Frühkirche als Rechtfertigung für die Unterwerfung der Frau gebraucht. Bis ins Mittelalter wird der Mythos vom Bösen immer wieder aufrechterhalten. Alle Frauen sind als Evas Töchter schuld, dass Adam zu Fall gekommen ist und dadurch alle Menschen an das Böse ausgeliefert hat.

Für die junge Frauengeneration sind Wahl- und Stimmrecht und gleichberechtigte Partnerschaft in der Ehe selbstverständlich. Spielfilme wie «Die göttliche Ordnung» sind daher wichtige Zeitdokumente, um in Erinnerung zu rufen, dass Frauenrechte hart erkämpft werden mussten.

IRÈNE MORET



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