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Pfingsten

Bild: Andreas Hermsdorf/pixelio.de



Schön sind sie, die langen Tage im Juni und die lauen Nächte. Und eine leise Wehmut mag einen überkommen, wenn man daran denkt, dass bald schon die Vorzeichen vertauscht und die Tage wieder kürzer und die Nächte länger werden. Eine Kehrtwende des Lichts.

Auch die Kirche kennt diese jahreszeitlichen Wendepunkte. Allerdings um ein paar Tage verschoben. Der Johannistag am 24. Juni ist bei uns nicht sehr bekannt. Wohl aber sein Gegenpol am 24. Dezember, das Weihnachtsfest. Johanni im Sommer geht auf Johannes den Täufer zurück, den Cousin von Jesus, den man den Schreier in der Wüste nannte. «Kehrt um», war seine Botschaft. Wir könnten versucht sein, das als «geht zurück» zu hören. Aber Johannes meinte das nicht rückwärtsgewandt, sondern er wollte damit vielmehr auf etwas Zukünftiges verweisen, etwas noch nie Dagewesenes. Weicht ab von eurem ewig gleichen Weg, könnten wir hören. Oder: dreht euch doch einmal um euch selbst und schaut die Welt aus einer anderen Perspektive an. Ist das, was dann in eurem Blickfeld liegt, etwa nicht genauso beachtenswert wie das, was jetzt augenfällig ist?  Wegschauen kann vorausschauen sein. Wer linear denkt und meint, das Leben bewege sich von a nach b, dem machen solche Überlegungen vielleicht wenig Sinn.  Aber ist das Leben nicht eher zyklisch, sich um eine je nachdem geordnete Mitte drehend? Weihnachten zum Beispiel haben wir immer entweder hinter oder schon wieder vor uns.

Da kommt mir das bekannte Lied von Mani Matter in den Sinn, der in einem anderen Bild doch etwas Ähnliches beschreibt:

«Ir Ysebahn sitze die einte ä so, dassi alles was chunnt scho zum Vorrus gseh cho und dr Rügge zue cheere dr Richtig vo wo, dr Zug chunnt. Die andre die sitze im Bank wisawii, dassi lang no chöi gseh wo dr Zug scho isch gsii, und dr Rügge zue cheere dr Richtig wo hii, dr Zug fahrt.»

Wir suchen uns das Bänklein nicht immer selber aus. Oft setzt uns das Leben in die eine oder andere Fahrtrichtung. Und man denkt dann, so sei es halt. In Mani Matters Lied beginnen die beiden Reisenden zu streiten, weil sie ihre je eigene Sicht als einzig mögliche verstehen. Aber es ist wenig einfach so, wie es uns scheint.  Und es kann manchmal von einem Moment auf den andern wechseln. Vielleicht wünschten wir es uns, oder aber wir fürchten uns davor. Manchmal merken wir im Moment selber, dass sich etwas wendet und manchmal wird uns erst im Rückblick bewusst, wo das Vorzeichen ausgewechselt wurde.

Statt darauf zu warten, dass das Leben uns ein weiteres Mal an einen Wendepunkt führt, könnten wir zwischendurch auch selber einen inszenieren, einen Perspektivenwechsel. Vielleicht auch nur probehalber. Was wäre wenn? Und, wäre es besser oder weniger gut? Möchte ich, dass alles so bleibt wie es ist oder steht vielleicht etwas Neues an?

Pfingsten bietet sich geradezu an, sich solchen Gedanken und Kräften zu öffnen:

Durch Dich
Heiliger Geist
Kann alles neu werden


ESTHER SCHWEIZER



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