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Es ist Raum für Freude und Schmerz

Zu Ostern gehören die Freude und das Lachen. Das beginnt beim Osterlachen, das in der Kirche eine lange Tradition hat, und den Osterliedern, in denen die Auferweckung Jesu besungen wird. Die Freude geht weiter, wenn Osternester gesucht und die ersten Frühlingblumen entdeckt werden, wenn wir mit lieben Menschen zusammen sind an den Osterfesttagen.

Zu Ostern gehören Freude und Lachen. Doch unser Leben richtet sich nicht nach dem Festkalender. Manchmal ist am Ostermorgen für mich eher Karfreitag. Ich singe das Halleluja mit Tränen in den Augen oder mag gar nicht einstimmen.

Der für den diesjährigen Ostersonntag vorgeschlagene Predigttext erzählt von Hanna. Sie ist verheiratet mit einem Mann, der noch eine andere Frau hat. Diese bekommt Kinder - Hanna bleibt kinderlos. Sie leidet und hadert mit ihrem Schicksal. Besonders schlimm ist es, wenn in Gottes Haus gefeiert wird. Ein Familienfest mit gutem Essen und Wein auf dem Tisch. Die Kinder springen herum und stecken die Erwachsenen an mit ihrer Lebensfreude. Hanna ist nicht wohl an diesen Festtagen. Ihr sind die Tränen zuvorderst. Sie spürt ihren Schmerz. Und bittet Gott einmal mehr um ein Kind. Ihre Traurigkeit verwandelt sich in Freude, als sie schliesslich doch noch ein kleines Kind in den Armen hält. Und beim nächsten Familienfest im Haus Gottes singt sie. Sie singt von den schweren und bitteren Zeiten, in denen sie ganz unten war. Und davon, dass es jetzt, Gott sei Dank, anders geworden ist. Gott hat ihr Leiden beendet und neues Leben geschenkt.

In Hannas Lied von Gott, der lebendig macht und die Leidenden beschenkt, klingt etwas an vom Ostergeschehen: Gott wendet sich dem Gekreuzigten zu. Und erweckt den elend Gestorbenen zu neuem Leben. Schmerz, Leid und Tod haben nicht das letzte Wort. Das letzte Wort spricht Gott. Und seine Worte sind Worte, die Leben schaffen. Wahrlich Grund zur Freude. Doch die Osterbotschaft wischt das Schwere und Schmerzliche nicht beiseite. Die Jüngerinnen und Jünger Jesu legen die Kleider der Angst und der Trauer nicht einfach ab. Im Gegenteil: sie verstecken sich zitternd und zagend. Erst langsam können sie die verschlossenen Türen öffnen für das unerhört Neue.

An Ostern ist in Gottes Haus Raum für Freude und Schmerz, für Lachen und Weinen. Denn es ist ja längst nicht alles gut. Bis heute leiden Menschen an sich und unter anderen. Angst, Schuld, Leid und Tod gehören zu unserer Welt. Und das bringen wir mit in die Gottesdienste – auch am Ostermorgen. Nichts davon muss schöngeredet oder verdrängt werden.

Wie Hanna warten auch wir auf österliche Erfahrungen. Darauf, dass etwas neu und anders werden darf, dass wider Erwarten etwas gut und heil wird. Und immer wieder geschieht dies – Gott sei Dank! Es gibt Grund zur Freude. Die Verzweiflung wird nicht ewig dauern. Das spricht mir das Osterevangelium am Ostermorgen zu. Das erzählen uns die Geschichten der Bibel, auch die von Hanna.

Dornenkronen gibt es. Und sie drücken schmerzlich. Doch sie werden nicht das letzte Wort behalten. An Ostern feiern wir das. Die einen können freudig einstimmen in das Osterlachen und die Osterlieder. Ich kann mir die Osterbotschaft aber auch zusingen und zusprechen lassen. Und darauf vertrauen, dass etwas neu und heilsam anders werden kann und wird.

PFARRERIN BEATE SCHILLER


Vision Kirche 21 - Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn