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«Neues wagen»

Bild: Gerd Altmann/pixelio.de



Liebe Leserin, lieber Leser

Haben Sie manchmal eine Vision? Ich meine abgesehen von Tele-Vision. Sehen Sie etwas klar vor Ihrem inneren Auge? Wer eine Vision hat, hat eine Vorstellung davon, wie er oder sie sich die Zukunft wünscht. Eine klare Vorstellung von der Zukunft gibt uns den nötigen Schub, um in der gewünschten Richtung zu gehen. Erich Fromm sagt es so: Wenn das Leben keine Vision hat, nach der man sich sehnt, dann gibt es auch kein Motiv, sich anzustrengen. Böse Zungen sagen etwas Anderes: Wer eine Vision hat, sollte zum Arzt gehen. Zwischen (gesunden) Visionen, die uns Kraft geben und (krankhaften) Visionen, die uns blockieren, gibt es Unterschiede.

Wenn die reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn eine Vorstellung, eine Vision von der Zukunft der Kirche entwickeln, ist das hoffentlich eine motivierende Sache. «Von Gott bewegt – den Menschen verpflichtet» so heisst die Vision Kirche 21, also die Vorstellung, die sich die Kirche für das 21. Jahrhundert selber gegeben hat. «Von Gott bewegt – den Menschen verpflichtet» so will die Kirche tätig werden. Sich das Leben so vorstellen, wie es vom Ursprung und vom Ziel her (also von Gott her) gedacht sein könnte.

Um die Vision klarer zu fassen, hat die Kirche 7 Leitsätze formuliert, die alle auf eine Polarität, auf einen Spannungsbogen aufmerksam machen. Zum Beispiel: «Die Gegenwart gestalten – auf Gottes Zukunft setzen».

Unsere Kirchgemeinde gestaltet die Gegenwart in mehreren Bereichen im Sinn von «Neues wagen». Als Beispiel nehme ich die freiwilligen Tätigkeiten. Sie sind für die Kirche wichtig. Und werden in den kommenden Jahren wichtiger werden: Freiwillige sind aktiv, ohne auf Effizienz und Geld zu schauen.

Beispiel: Freiwillige Besucherinnen (Männer sind mitgemeint) schenken den Menschen, die sie besuchen, einen erlebnisreichen Nachmittag. Sie nehmen sich Zeit, um einem alten oder kranken Menschen zuzuhören, mit ihm Zvieri zu essen oder einen Ausflug zu machen. Stundenlohn gibt es keinen. Dafür eine erfüllende Begegnung für beide Seiten. Die Besucherinnen schaffen eine Oase, wo Menschen ausruhen und Kraft schöpfen können. Das ist wichtig in unserer Gesellschaft, die immer mehr auf Geschwindigkeit und Leistung ausgerichtet ist. In dieser Oase können meistens alle Beteiligten Kraft schöpfen und etwas Sinnvolles erleben. Die Freiwilligen bekommen durch ihren Einsatz auch etwas: Am Abend können sie sich sagen: doch, ich habe etwas Gutes gemacht. Freiwillige brauchen für ihren Einsatz Anerkennung: Den Dank der Besuchten, die Begleitung in einer Gesprächsgruppe, Kurse, die die Tätigkeit unterstützen.


Die freiwilligen Tätigkeiten verändern sich, nicht nur in der Kirche, auch in anderen Bereichen der Gesellschaft. Viele Menschen sind bereit, bei einem Projekt mitzumachen. Für längerfristige Verpflichtungen (z.B. Mitarbeit in einem Vereinsvorstand oder im Kirchgemeinderat) fehlt vielen Menschen die Bereitschaft.


Die Gegenwart gestalten: die Kirche versucht, sich den veränderten Bedingungen anzupassen.


Auf Gottes Zukunft setzen: Wir brauchen eine Vorstellung von der Zukunft, sonst irren wir im Nebel herum. Da können wir ansetzen: wir sollten uns von der göttlichen Zukunft ein Bild ausmalen, das uns anleitet.

Hans Ulrich Germann, Pfarrer


Vision Kirche 21 - Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn