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Wehender Wind an Pfingsten

Foto: de.wikipedia.org

 

Pfingsten – diesem Fest fahren wir im Karussell des Kirchenjahrs nun entgegen. Für viele bloss ein verlängertes Wochenende, wage ich mal zu behaupten. Doch liegt an diesem Tag eben doch mehr in der Luft, als mancher sich vielleicht bewusst ist.

 

Am Palmsonntag haben wir uns an den mit Jubel überschütteten Einzug Jesu in Jerusalem erinnert. Am Karfreitag haben wir an seine Kreuzigung und seinen Tod gedacht. An Ostern haben wir seine Auferweckung gefeiert: aus Jesus von Nazareth, dem Prediger und Wundertäter, wurde Jesus Christus, der Auferstandene. 40 Tage danach feiern wir Auffahrt, die Rückkehr des Sohnes zum Vater in den Himmel. Danach folgt Pfingsten – die Sendung des Heiligen Geistes.

 

Vater, Sohn und Heiliger Geist deuten das innere Geheimnis Gottes an. Sie gelten als Personen der Dreifaltigkeit, in denen Gott sich offenbart hat. Die drei Personen sind miteinander verbunden und stehen zueinander in Beziehung. Sie durchdringen sich gegenseitig im Sinne einer innergöttlichen Liebesbeziehung. In diesem Sinn ist Gott in sich selbst Beziehung und Liebe (vgl. 1Joh 4,16).

 

Dem Vater wird die Schöpfung zugesprochen. Er gilt als Ursprung und Quelle alles Seins. Im Sohn ist Gott Mensch geworden. Er hat das menschliche Leben und Sterben in seiner Ganzheit auf sich genommen und überwunden. Der Heilige Geist gilt als dritte Person der göttlichen Dreieinigkeit. Sein Hervorgehen wird als Hauchung durch den Vater und den Sohn versinnbildlicht.

 

Nach der Rückkehr des Sohnes in den Himmel wird der Heilige Geist an Pfingsten zu den Menschen gesandt. Er stellt von da an die Gegenwart Gottes im menschlichen Leben dar. Obwohl Gott in ihm Verbindung und Beziehung zu uns Menschen herstellt, scheint er neben den anderen beiden Personen für uns aber am wenigsten greifbar zu sein. Dadurch weist er am stärksten auf die tiefe Unergründlichkeit des göttlichen Geheimnisses hin.

 

Wehender Wind ist im Johannesevangelium ein Bild für den Heiligen Geist: Der Wind weht, wo er will, und du hörst sein Sausen, weisst aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. (Joh 3,8) Der Geist Gottes weht an Ort und Stelle, auf die Art und Weise, die er selber wählt: Das eine Mal als warme Sommerprise und sanftes Säuseln, das andere Mal als eisige Bise und tobender Sturm.

 

Wir vermögen ihn weder mit Augen zu sehen noch mit Händen zu greifen. Woher er kommt und wohin er geht, wissen wir nicht. Sein Ursprung und Ziel übersteigt die menschliche Vernunft, unser ganzes Denken und Verstehen. Doch können wir ihn mit Ohren hören – als sanftes Säuseln oder tobendes Stürmen. Am ganzen Leib können wir fühlen, wie seine Wärme und Luftzüge uns streicheln. Wir können sehen, was er aufrüttelt, bewegt und aus den gewohnten Fugen geraten lässt. Und wir können erleben, was er verwandelt, wieder zusammenfügt und verbindet.

 

Der Heilige Geist verbindet uns nicht nur mit Gott, sondern auch unter- und miteinander. In diesem Zusammenhang lassen sich folgende Worte aus dem Römerbrief verstehen: Denn die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsre Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist. (Röm 5,5) Diese ist gleichzeitig Quelle der Liebe, die Menschen untereinander verbindet und zueinander halten lässt. Oder anders ausgedrückt: Sie lässt unser Herz höherschlagen und bringt es zum Erklingen. In diesem Sinn mögen folgende Worte Sie in den kommenden Wochen begleiten:

 

wenn du

dein herz

anstatt

es dir zu fassen

in den wind

hängst

wird es

mehrstimmig

zu klingen beginnen

eindeutig

wirst du nur

in der vielfalt

der töne

sie alle

bist du

wehe es wie es will

wehe es wann es will

wehe es wo es will

geist gottes

geist des auferstandenen

sucht herberge

im unfassbaren

lass es hängen

dein herz

wind befreit dich

zu werden

(Ruth Näf Bernhard)

 

Pfarrerin Simone Egli

 

 


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