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Unsere Geschichten erzählen


Kirchensonntag 2018
Hanna Arendt hat in ihrem Werk, «Menschen in finsteren Zeiten», S. 124, geschrieben, dass alle Sorgen zu ertragen sind, wenn man sie in eine Geschichte packen oder eine Geschichte über sie erzählen könne. Die Geschichte enthülle die Bedeutung einer blossen Folge von Ereignissen.
Wie wahr. Unser aller Alltag ist von vielen Geschichten geprägt, weil wir Menschen Dinge nicht bloss erleben, sondern diese Einzelerlebnisse in Form einer sinnvollen Reihenfolge als Geschichte zusammenfassen. Dadurch gewinnt das Erlebte an Bedeutung.

Geschichten in der Seelsorge
Die Wichtigkeit einer unverwechselbaren Geschichte erlebe ich im Trauergespräch mit den Angehörigen. Unter der Vielfalt der lebhaften Erzählungen und Anekdoten am gemeinsamen Familientisch: Wie lässt sich da eine unverwechselbare seelische Identität herauskristallisieren? Wie war dieser Mensch? Was hatte ihn geprägt in seinem Leben? Was motivierte ihn, was waren seine Themen, wo hat seine Leidenschaft gebrannt? Mit welcher einmaligen Lebensgeschichte hinterlässt dieser verstorbene Mensch seine Spuren im Leben anderer?
Hauptsächlich bilden unsere eigenen Geschichten ganz wichtige Stützen in unserem persönlichen Lebens-Management: Bei einem Asylbewerber, zum Beispiel, kommt es sehr wohl darauf an, wie glaub- und asylwürdig die Geschichte seiner Fluchtumstände in die Schweiz ist. Welche Geschichten konstruieren wir um unsere eigenen Niederlagen herum, wie berufliche Enttäuschungen, Familienstreit oder zerbrochene Partnerschaften? Oder wie verpacken wir alles, was uns gelingt, unsere Erfolgsgeschichten auf eine Weise, dass sie nicht nur Neid und Missgunst auslösen? Sie sehen, wir leben in, aus und um Geschichten herum.

Unsere Religionsgeschichte
fusst auf einer Jahrtausende alten mündlichen Überlieferung. Wir dürfen nicht vergessen: die Evangelien wurden erst ein paar Jahrzehnte nach der Kreuzigung Jesu aufgeschrieben. Das von Zeit- und Glaubenszeugen Erlebte und Gehörte wurde auf sehr gekonnte Weise zu einer grossen Wirkungs-Geschichte über Jesus zusammengeflochten. Die Wirkung dieser Evangelien-Erzählungen ist kolossal auf grosse Teile der ganzen Menschheit. Ebenso erkennen wir uns in der Brudergeschichte von Jakob und Esau wieder, im Buch Ruth, in der Leidensgeschichte Hiobs.

Christinnen und Christen erzählen am Kirchensonntag eine heutige Geschichte
Der Preis einer guten Geschichte ist immer, dass man eine persönliche Seite öffentlich macht, sich ein Stück weit nahbar und verletzlich macht. Man weiss dabei nie eindeutig, wie die eigene Geschichte beim Hörer ankommt, aber ihr Wert liegt darin, dass sie wahrhaftig, absichtslos und ehrlich erzählt wird.

Pfarrer Kaspar Schweizer


Martin Bühler aus Studen wagt es, uns seine Geschichte zu erzählen.
Er hat Jahrgang 1947, ist verheiratet, Vater dreier Kinder, Journalist und Autor. Er ist unserer Gemeinde bekannt als gerne gelesener Kolumnist. Seine Karriere machte er als Chefredaktor «Bieler Tagblatt» und als Mediensprecher und Redenschreiber mehrerer Bundesräte.

«70 Jahre gelebt. Und was gelernt?»
Der Kolumnist Martin Bühler sinniert über sein Leben.

Sonntag, 4. Februar / 10 Uhr /
in der Kirche Bürglen, Aegerten



Vision Kirche 21 - Reformierte Kirchen Bern-Jura-Solothurn